Programmierprojekte geschlechtersensibel gestalten

Wie man Programmierprojekte fächerübergreifend in den Unterricht integrieren und dabei besonders Mädchen für das Thema begeistern kann, haben wir am 3. und 4. November in Kaiserslautern gezeigt. Auf der MINT-EC Schulleitertagung haben wir zwei Projekte auf dem Bildungsmarkt präsentiert und in einem Workshop genauer vorgestellt.

Bildungsmarkt der MINT-EC Schulleitertagung

Zeitweise bildeten sich fast Schlangen vor unserem Stand im Audimax der TU Kaiserslautern, in der der Bildungsmarkt untergebracht war. Das Thema der diesjährigen Schulleitertagung des Excellence-Netzwerks für Schulen mit MINT-Schwerpunkt war die Digitalisierung und unsere Programmierprojekte zum Anfassen sorgten für großen Andrang. Viele Schulen bieten Informatik als Wahlpflicht oder Pflichtfach ab der Mittelstufe an oder haben Arduino AGs – Projekte und Ansätze für die Unterstufe werden aber häufig noch gesucht. Beispiele aus den Workshops Programmieren mit dem Calliope Mini und Programmieren lernen mit Scratch machten deutlich, wie sich IT-Projekte auf Einsteiger-Niveau in den Fachunterricht integrieren lassen.

Mit dem Calliope Mini lassen sich aufgrund der eingebauten Sensoren vielfältige Anwendungen in MINT-Fächern aber auch in Musik oder im Sprachunterricht finden. Ein Schrittzähler, eine Temperatur- oder Feuchtigkeitsmessstation oder ein selbst gebasteltes Musikinstrument - die Möglichkeiten sind vielfältig. Auch Scratch bietet eine sehr intuitiv verständliche Online-Programmierumgebung, mit der die unterschiedlichsten Projekte realisiert werden können: von Spielen, kleinen Geschichten oder auch Klassenprojekten mit selbstaufgenommenen Sounds. Die Komplexität kann beliebig gesteigert werden, so dass auch Nicht-Informatiklehrer schnell Projekte mit ihren Klassen umsetzen können.

Workshop: Programmierprojekte geschlechtersensibel gestalten

In einem Workshop haben wir dann einen Aspekt vertieft, der uns besonders am Herzen liegt: die Mädchenförderung im IT-Bereich. Die Pisa Studie hat gezeigt, dass Deutschland zu den Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Unterschieden in bestimmten Leistungsbereichen gehört, darunter Mathematik. In Italien oder Polen interessieren sich weit mehr Mädchen für MINT-Fächer und entscheiden sich auch für entsprechende Karrieren. Und trotz steigender Zahlen liegt der Anteil der Informatik-Studentinnen immer noch nur bei 23 Prozent, der Anteil der Frauen in Chefetagen von IT-Unternehmen sogar nur bei 5 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber angeborene Talentunterschiede gehören sicher nicht dazu.

Ansätze für die Mädchenförderung

Dahinter steckt eher das Fehlen von weiblichen Rollenvorbildern, wie eine europaweite Studie von Microsoft zeigt. Die soziale Umwelt beeinflusst und verstärkt Interessensunterschiede von frühester Kindheit an, etwa durch Anregungen, Freizeitbeschäftigungen und Kommunikationsmuster. Interessen wiederum motivieren zum Lernen und auch die Wahl von Schularten oder Studienfächern. Eine wichtige Rolle spielt nicht nur das Umfeld, sondern auch das Instruktionsdesign. Erfahrungen und Studien, beispielsweise aus dem Roberta-Projekt zeigen, dass Mädchen sich eher für Aufgaben mit klarem Lebensweltbezug interessieren. Die Frage nach dem Sinn spielt ebenfalls eine große Rolle: wenn es um Themen wie Medizin, Umwelt oder Gesellschaft geht, sind Mädchen eher motiviert, sich mit einer Aufgabe zu beschäftigen, als wenn sie diese als 'sinnlos' empfinden.

Schulleiter können also in drei Bereichen intervenieren, wenn sie optimale Entwicklungsmöglichkeiten für beide Geschlechter schaffen wollen: bei den Lernaufgaben und –materialien, der Lernumgebung und der Lehrperson.

Wie sich der Calliope Mini als Tool eignet, um die Lernaufgaben geschlechtersensibel zu gestalten haben wir in unserem Workshop auf der Schulleitertagung gezeigt. Als einfach zu handhabender Mikrocontroller ermöglicht er einen niedrigschwelligen Einstieg ins Programmieren und motiviert durch schnelle Lernerfolge. Es lassen sich Projekte mit klarem Lebensweltbezug und praktisch erkennbarem Nutzen umsetzen: zum Thema Gesundheit beispielsweise Schrittzähler, Trink-Erinnerungen, Fitness-Uhren oder Medikamenten-Alarm. Außerdem bietet das projektorientierte Arbeiten viel Raum für Kreativität und Individualisierung – ein Punkt, der für Mädchen häufig sehr wichtig ist.

Ein weiterer Vorteil: der Calliope lässt sich – genauso wie Scratch – bereits ab Klasse 5 einsetzen, also bevor Mädchen das Interesse an IT und Technik verlieren. Die TeilnehmerInnen zeigten sich nach dem Workshop ganz inspiriert und wir hoffen, dass bald noch viel mehr Mädchen in der Schule programmieren lernen.

2017-12-01T09:15:30+00:00 Freitag, 17. November 2017|Programmieren, Partner, Digitale Kompetenz, Events|